EBL Frank v. Meißner
Eisenbahnbetrieb
Fachjournalismus

Eisenbahnbetriebsleiter
für die Bahnstrecke Altshausen - Pfullendorf
 

Als Eisenbahnbetriebsleiter (EBL) bin ich nebenberuflich für die Stadt Pfullendorf tätig, um die Bahnstrecke von Altshausen nach Pfullendorf zu reaktivieren und zu betreiben. Diese 25 km lange Nebenstrecke wurde am 31. Juli 2009 als Eisenbahninfrastrukturunternehmen des öffentlichen Verkehrs wieder in Betrieb genommen (Betriebsführung nach EBO). 2011 wurde ein regelmäßiger Ausflugspersonenverkehr an Sonn- und Feiertagen aufgenommen.

Ehe die ersten Züge wieder nach Pfullendorf fahren konnten, waren umfangreiche Vorarbeiten zu bewältigen.

Kurze Vorgeschichte

Die Deutsche Bahn stellte im Juli 2002 den Güterverkehr nach Pfullendorf ein, im August 2004 wurde die Strecke formell stillgelegt. Was bei vielen Bahnstrecken das Todesurteil darstellt, weckte hier die Initiative der Kommunen und des Regionalverbandes: Eine Interessensgemeinschaft wurde gegründet, die das Bahngleis Altshausen – Pfullendorf pachtete. (Mehr zur Geschichte unter Wikipedia...)

Im August 2008 wurde innerhalb des Bahnhofs Altshausen der stillgelegte Bahnhofsteil unserer Pfullendorfer Strecke für das dortige Sägewerk reaktiviert (als nicht-öffentliche Anschlussbahn gemäß BOA). Der erste Schritt in Richtung Reaktivierung war gemeistert. 

Anfang 2009 wurde dann beschlossen, als zweiten Schritt schließlich die gesamte 25 km lange Strecke wieder als öffentliche Eisenbahn in Betrieb zu nehmen. Einer der Hintergründe waren u.a. Planungen für touristische Sonderzüge im Rahmen der „Tour de Ländle“, einem Großereignis mit rund 500 Fahrradfahrern. Doch auch im Güterverkehr sieht man mittelfristig wieder Potenzial: In Pfullendorf gibt es ein großes Containerterminal für den kombinierten Ladungsverkehr (KLV).

Reakivierung binnen 7 Monaten

Nach dem Entscheid zur Reaktivierung blieben rund 7 Monate für das umfangreiche Arbeitspensum an den Bahnanlagen bis zur ersten öffentlichen Zugfahrt:

  • Freischneiden und Freispritzen der gesamten Strecke;
  • Bauwerksprüfungen an allen Brücken und Durchlässen;
  • Messen der Gleislage (Zeitungsbericht hier...) mit dem DB AG-Gleismesszug 725/726 003;
  • Überprüfen der Weichen;
  • Punktuelle Korrekturen an der Gleislage, insbesondere Schleifen der Schienen und Nachschottern;
  • Ergänzung und Erneuerung der Signalisierung;
  • Verkehrsschau mit Straßenbaulastträgern und Polizei an allen Bahnübergängen;
  • Erneuerung der Straßenbeschilderung und Straßenbefestigung (zunächst ohne Inbetriebnahme der Schranken und Lichtsignalanlagen);
  • Überprüfung der Standsicherheit der Freileitung.

Parallel dazu waren unter anderem folgende administrative Arbeiten zu erledigen:

  • Abschluss eines Eisenbahninfrastrukturanschlussvertrages mit DB Netz AG;
  • Abschluss einer Haftpflichtversicherung;
  • Organisation des gesamten Betriebes: u.a. Bestellung zweier nebenberuflicher Eisenbahnbetriebsleiter und eines örtlichen Betriebsleiters;
  • Antrag auf Zulassung als Eisenbahninfrastrukturunternehmen sowie die Beantragung der Genehmigung zur Aufnahme des Betriebs beim Innenministerium;
  • Abnahmefahrt mit dem Landesbevollmächtigen für Bahnaufsicht;
  • Aufstellung der örtlichen Richtlinien;
  • Erstellung der Fahrplanunterlagen.

Mit viel gutem Willen und Pragmatismus aller Beteiligten, nicht zuletzt der Eisenbahnaufsicht und der Genehmigungsbehörden, gelang die zeitgerechte Betriebsaufnahme auf der Schienenstrecke nach Pfullendorf.

Damit konnten am 31. Juli 2009 - nach 5-jähriger Stillegungszeit - wieder Personensonderzüge nach Pfullendorf verkehren: für die „Tour de Ländle“ mit einigen hundert Fahrradfahrern (Zeitungsbericht siehe hier...).

Regelmäßige Personenzüge nach Pfullendorf

Die Strecke steht seither als öffentliche Eisenbahninfrastruktur allen interessierten Eisenbahnverkehrsunternehmen offen.

Im Mai 2011 wurde ein regelmäßiger Ausflugsverkehr nach Pfullendorf aufgenommen, da man in der landschaftlich reizvollen Strecke ein interessantes touristisches Potenzial sieht und dadurch der Freizeitsektor gestärkt werden soll. Dieser Ausflugsverkehr war auf Anhieb ein voller Erfolg und wird daher fortgeführt.

So wird auch 2012 an 15 Sonn- bzw. Feiertagen der Radexpress Oberschwaben von Ulm / Aulendorf nach Pfullendorf verkehren: mehr dazu unter radexpres-oberschwaben.de. Der erste Fahrtag ist am 6. Mai 2012 - die Fahrpläne gibt es beim Verkehrsverbund Bodo unter bodo.de.

Parallel laufen Bemühungen, auch den Güterverkehr wiederzubeleben. So sollen die Umfahr- und Nebengleise in Burgweiler und Ostrach reaktiviert werden. Mittelfristig soll der Anschluss zum Containerterminal Pfullendorf in Betrieb genommen werden. Die großzügigen Gleisanlagen in Altshausen wurden bereits mehrfach auch für Baustellenlogistik genutzt. Mehr unter pfullendorf.de 

Links und Kontakt:

Tobias Wedi
Stadt Pfullendorf

Wirtschaftsförderung / Stadtmarketing

Telefon: 0 75 52 / 25-11 11
http://www.pfullendorf.de/benutzungsbedingungen.html  
 
 

Frank v. Meißner
Eisenbahnbetriebsleiter der Stadt Pfullendorf
http://www.von-meissner.de

 

Foto (Bodo-Erlebniszug in Ostrach, 12.9.10): F. v. Meissner
Der Bodo-Erlebniszug Pfullendorf - Aulendorf hält im wiedereröffneten Bahnhof Ostrach, 12. Sept. 2010
Foto (Tour de Lände am 31.7.09): HJK
Tour de Ländle-Sonderzug, der erste öffentliche Personenzug seit 2004, nach Ankunft in Pfullendorf am 31. Juli 2009
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